Texte und Gedichte

Als ich mich selbst zu lieben begann...

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin,
und dass alles, was geschieht, richtig ist. Von da an konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich: Das nennt man VERTRAUEN.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid nur Warnungen für mich sind,
gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich: Das nennt man AUTHENTISCH SEIN.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, das nennt man REIFE.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben, und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das, was mir Spaß und Freude macht, was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo.
Heute weiß ich, das nennt man EHRLICHKEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von Allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das Gesunden Egoismus,
aber heute weiß ich, das ist SELBSTLIEBE.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen, so habe ich mich weniger geirrt.
Heute weiß ich: das nennt man DEMUT.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit zu leben und mich um meine Zukunft zu sorgen.
Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet,
so lebe ich heute jeden Tag und nenne es BEWUSSTHEIT.

Als ich mich zu lieben begann,
da erkannte ich, dass mich mein Denken armselig und krank machen kann.
Als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte, bekam der Verstand einen wichtigen Partner.
Diese Verbindung nenne ich heute HERZENSWEISHEIT.

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten, denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich: DAS IST DAS LEBEN !

von Charly Chaplin

 

 

Von der Selbsterkenntnis

 

Und ein Mann sagte: Sprich uns von der Selbsterkenntnis.

Und er antwortete und sagte:

Eure Herzen kennen im stillen die Geheimnisse der Tage und Nächte.

Aber eure Ohren dürsten nach den Klängen des Wissens in euren Herzen.

Ihr wollt in Worten wissen, was ihr in Gedanken immer gewusst habt.

Ihr wollt mit den Händen den nackten Körper eurer Träume berühren. Und das ist gut so.

Die verborgenen Quelle eurer Seele muss unbedingt emporsteigen und murmelnd zum Meer fließen;

Und der Schatz eurer unendlichen Tiefen möchte euren Augen offenbart werden.

Aber wiegt den unbekannten Schatz nicht mit Waagschalen.

Und erforscht die Tiefen eures Wissens nicht mit Messstock oder Senkschnur.

Denn das Ich ist ein Meer, grenzenlos und unermesslich.

Sagt nicht: "Ich habe den Pfad der Seele gefunden."

Sagt lieber: "Ich habe die Seele auf meinem Pfad wandelnd getroffen."

Denn die Seele wandelt auf allen Pfaden.

Die Seele wandelt nicht auf einer Linie, noch wächst sie wie ein Schilfrohr.

Die Seele entfaltet sich wie eine Lotosblume mit zahllosen Blättern.

 

von Khalil Gibran

 

 

Von der Liebe

 

Da sagte Almitra: Sprich uns von der Liebe.

Und er hob den Kopf und sah auf die Menschen, und es kam eine Stille über sie

Und mit lauter Stimme sagte er:
Wenn die Liebe dir winkt, folge ihr, sind ihre Wege auch schwer und steil.
Und wenn ihre Flügel dich umhüllen, gib dich ihr hin,
Auch wenn das unterm Gefieder versteckte Schwert dich verwunden kann.
Und wenn sie zu dir spricht, glaube an sie,
auch wenn ihre Stimme deine Träume zerschmettern kann
wie der Nordwind den Garten verwüstet.
Denn so, wie die Liebe dich krönt, kreuzigt sie dich.
So wie sie dich wachsen lässt, beschneidet sie dich.
So wie sie emporsteigt zu deinen Höhen
und die zartesten Zweige liebkost, die in der Sonne zittern,
steigt sie hinab zu deinen Wurzeln
und erschüttert sie in Ihrer Erdgebundenheit.
Wie Korngarben sammelt sie dich um sich.
Sie drischt dich, um dich nackt zu machen.
Sie siebt dich, um dich von deiner Spreu zu befreien.
Sie mahlt dich, bis du weiß bist.
Sie knetet dich, bis du geschmeidig bist;
Und dann weiht sie dich ihrem heiligem Feuer,
damit du heiliges Brot wirst für Gottes heiliges Mahl.
All dies wird die Liebe mit dir machen,
damit du die Geheimnisse deines Herzens kennen lernst
und in diesem Wissen ein Teil vom Herzen des Lebens wirst.
Aber wenn du in deiner Angst nur die Ruhe und die Lust der Liebe suchst,
dann ist es besser für dich, deine Nacktheit zu bedecken
und vom Dreschboden der Liebe zu gehen.
In die Welt ohne Jahreszeiten,
wo du lachen wirst, aber nicht dein ganzes Lachen,
und weinen, aber nicht all deine Tränen.
Liebe gibt nichts als sich selbst und nimmt nichts als von sich selbst.
Liebe besitzt nicht, noch lässt sie sich besitzen;
Denn die Liebe genügt der Liebe.
Und glaube nicht, du kannst den Lauf der Liebe lenken,
denn die Liebe, wenn sie dich für würdig hält, lenkt deinen Lauf.
Liebe hat keinen anderen Wunsch, als sich zu erfüllen.
Aber wenn du liebst und Wünsche haben mußt, sollst du dir dies wünschen:
Zu schmelzen und wie ein plätschernder Bach zu sein,
der seine Melodie der Nacht singt.
Den Schmerz allzu vieler Zärtlichkeit zu kennen.
Vom eigenen Verstehen der Liebe verwundet zu sein;
Und willig und freudig zu bluten.
Bei der Morgenröte
mit beflügeltem Herzen zu erwachen
und für einen weiteren Tag des Liebens dankzusagen;
Zur Mittagszeit zu ruhen
und über die Verzückung der Liebe nachzusinnen;
Am Abend mit Dankbarkeit heimzukehren;
Und dann einzuschlafen
mit einem Gebet für den Geliebten im Herzen
und einem Lobgesang auf den Lippen

von Khalil Gibran

 

Von der Schönheit

 

Und ein Dichter sagte: Sprich uns von der Schönheit. Und er antwortete:

Wo werdet ihr Schönheit suchen und sie finden, wenn sie nicht selber euer Weg und Führer ist?

Und wie werdet ihr von ihr sprechen, wenn sie nicht selber die Weberin eurer Reden ist?

Die Gekränkten und Verletzten sagen: "Schönheit ist gütig und sanft.

Wie eine junge Mutter, ein wenig schüchtern wegen ihrer eigenen Herrlichkeit, geht sie unter uns."

Und die Leidenschaftlichen sagen: "Nein, Schönheit ist ein machtvolles und furchterregendes Wesen.

Wie der Sturm schüttelt sie die Erde unter uns und den Himmel über uns."

Die Müden und die Erschöpften sagen: "Schönheit ist sanftes Geflüster. Sie spricht in unserem Geist.

Ihre Stimme fügt sich unserer Stille wie ein schwaches Licht, das in Angst vor dem Schatten zittert."

Doch die Ruhelosen sagen: "Wir haben sie in den Bergen rufen hören,

und mit ihren Rufen kamen Hufgeräusche und Flügelschlagen und Löwengebrüll."

Bei Nacht sagen die Wächter der Stadt: "Schönheit wird sich mit der Morgenröte aus dem Osten erheben."

Und zur Mittagszeit sagen die Arbeiter und Wanderer: "Wir haben gesehen, wie sie sich aus den Fenstern der Abendröte über die Erde neigte."

Im Winter sagen die Eingeschneiten: "Sie wird mit dem Frühling über die Hügel gesprungen kommen."

Und in der Sommerhitze sagen die Schnitter: "Wir haben sie mit den Herbstblättern tanzen sehen, einen Schneestreif im Haar."

All das habt ihr von der Schönheit gesagt,

Doch in Wahrheit spracht ihr nicht von ihr, sondern von unbefriedigten Bedürfnissen,

Und Schönheit ist kein Bedürfnis, sondern eine Verzückung.

Sie ist weder ein dürstender Mund, noch eine leere ausgestreckte Hand,

Sondern ein entflammtes Herz und eine verzauberte Seele.

Sie ist weder das Bild, das ihr sehen möchtet, noch das Lied, das ihr hören möchtet,

Sondern ein Bild, das ihr seht, obwohl ihr eure Augen zumacht, und ein Lied, das ihr hört, obwohl ihr eure Ohren verschließt.

Sie ist weder der Saft in der schrundigen Rinde noch ein Flügel an einer Klaue,

Sondern ein Garten in ständiger Blüte und eine Engelschar in stetigem Flug.

Leute von Orphalese, Schönheit ist Leben, wenn das Leben sein heiliges Gesicht entschleiert.

Aber ihr seid das Leben, und ihr seid der Schleier.

Schönheit ist Ewigkeit, die sich in einem Spiegel anschaut.

Aber ihr seid die Ewigkeit, und ihr seid der Spiegel.

 

von Khalil Gibran